Sub Terra - Tore zur Unterwelt

Tore zur Unterwelt

Auf einem Plan der in einer alten Kanonenkugel entdeckt wurde, ist ein ganzes Labyrinth von unterirdischen Gängen eingezeichnet, das unter dem Stift Vorau und seiner Umgebung verläuft. Ein Forscherteam um den bekannten Grazer Wissenschafter Dr. Heinrich Kusch ist dem Rätsel auf der Spur. 

Bis jetzt konnten  790 unterirdische Anlagen  (Forschungsstand 2015) aus unterschiedlichen Zeitepochen wiederentdeckt werden, wobei ein Ende der Auffindung von neuen Anlagen noch nicht abzusehen ist. 

Die meisten Objekte sind durch die Einflüsse der Natur und dem Eingreifen des Menschen vielfach verschlossen. Ab dem Mittelalter verfüllte man die Zugänge von einigen Anlagen mit Müll und im 16. Jahrhundert verschloss man auf Anweisung der Kirche viele Zugänge mit Tonnen an Gestein. 
Der einheimischen Bevölkerung sind diese Gänge seit Jahrhunderten bekannt und man nutzte sie auch. In Kriegszeiten wurden in ihnen kurzfristig Lebensmittel und Wertsachen versteckt und auch Menschen suchten darin Zuflucht. Der eigentliche ursprüngliche Zweck für die Errichtung der Felsgänge ist uns heute unbekannt, denn als längerfristige  Zufluchts- und Depotorte oder Kultplätze waren sie nicht geeignet. 

Das Mindestalter dieser unterirdischen Anlagen kann derzeit mit über 10.400 Jahren angegeben werden. Einige Felsgänge stammen aus dem Mittelalter und der Neuzeit oder wurden in diesen Epochen erweitert, d.h. in den ursprünglich bis 1,6 m hohen und oft nur 0,7 - 0,8 m breiten Gängen hat man die Wand- und Deckenteile herausgeschlagen und manchmal auch den Boden tiefer gelegt um aufrecht darin gehen zu können. Die aus Trockenmauern (Steinen) errichteten Schutzräume unterirdischer Bergsiedlungen, Zugänge und Schächte (derzeit über 300 Stück) stammen größtenteils aus der megalithischen Epoche Europas. Hier hat man die bereits im verwitterten Gestein befindlichen, oberflächennahen Gangpassagen durch niedere und schmale aufgemauerte Steingänge ersetzt um die alten Anlagen wieder verwenden zu können. Die architektonische Bauweise dieser Gänge, wie Tragsteine, Kraggewölbe und bis zu einer Tonne schwere Überlagplatten, die unter Feldern bzw. Wiesen verlaufen und in Berghänge hineinführen, können von ihrer Ausführung her bei vielen Objekten eindeutig dem prähistorischen Zeitraum zugeordnet werden. Durch eine TCN-Datierung die von der Karl-Franzens-Universität Graz und der Purdue Universität (USA) durchgeführt worden ist konnte bei einigen dieser Gänge ein Alter von über 10.400 bis 10.900 Jahre ermittelt werden. Die anschließenden Felsgänge und auch davon betroffene "Erdställe" sind auf alle Fälle älter als diese künstlich geschaffenen und aus Steinen errichteten unterirdischen Anlagen.

Für den Schutz, die Erhaltung und die Nutzung der unterirdischen Gänge und der frühgeschichtlichen Bodendenkmale wurde der Verein Sub Terra Vorau gegründet. 

Zugängliche Gangabschnitte und interessante Objekte können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Bei den Führungen erfahren Sie mehr über die faszinierenden Zeugnisse einer alten Kultur. So manches Rätsel ist noch zu lösen und wir können gespannt sein, was die Forschung noch alles ans Tageslicht bringt.

Menhire & Lochsteine

 

Wohl einzigartig im österreichischen Raum ist das Vorkommen von derzeit über 550 dokumentierten Menhiren - prähistorischen Langsteinen - in Vorau und in den Nachbargemeinden. Ein Ende der Aufnahme dieser prähistorischen Bodendenkmale durch Dr. Heinrich und Ingrid Kusch (Graz) und ihren Mitarbeitern ist noch nicht abzusehen, weil die Anzahl der heute noch in der Oststeiermark vorhandenen alten Steinsetzungen derzeit über rund 500 Stück geschätzt werden kann. Der größte derzeit bekannte Menhir in der Umgebung von Vorau ist über 7,6 m lang und wiegt etwa 50 Tonnen. Bedauerlicherweise wurden von der Nachkriegszeit bis heute mehrere hundert Lochsteine und Menhire von den Grundbesitzern entfernt weil sie bei der Arbeit mit den landwirtschaftlichen Maschinen einfach im Wege standen. Nur in jenen Fällen wo man die Menhire als Grenzsteine oder als Gatter- bzw. Torsteine für Wegabsperrungen bis in die Neuzeit nutzte blieben sie von der Zerstörung durch den Menschen verschont und somit bis in die heutige Zeit der Nachwelt erhalten. Wir können heute davon ausgehen, dass einst in der Oststeiermark weit über 1000, vielleicht auch mehrere tausend solcher megalithischen Steindenkmale standen. Auch in der Weststeiermark kennen wir heute Menhire und Lochsteine jedoch in geringerer Anzahl.

Diese Zeugnisse aus der sogenannten Megalith-Zeit werden seit Jahren von Dr. Heinrich und Ingrid Kusch erkundet. Die Ergebnisse wurden in ihren Büchern  „Tore zur Unterwelt“ und "Versiegelte Unterwelt"  vorgestellt. So manches Rätsel ist noch zu lösen. Wir können gespannt sein, was die Forschungen alles ans Tageslicht bringen.

www.subterravorau.at